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Die Kirche St. Gangolf

 

(aus: Clemens, Paul (Hg.)
Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Düsseldorf 1943, S. 225 –
Grundriss und Schnitte)

Bereits 1318 ist in Mertloch eine Kirche vorhanden. Nach mehreren Um- und Erweiterungsbauten ist eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika ohne Querschiff entstanden. Sie "stellt…wenigstens für das Maifeld den Typus der ältesten romanischen Anlagen dar" (Becker, S. 18).

Die Länge der Kirche beträgt 25,50 m, ihre Breite 11,50 m (Clemen, S. 225). Der quadratische Chorraum (Altarraum) öffnet sich zum Mittelschiff in einem halbgeschlossenen Triumphbogen auf Wandpfeilern.

 

 
Die Pfeiler zwischen dem Mittelschiff und den Seitenschiffen waren ursprünglich viereckig und wurden in der Zeit des Barock (16.-18. Jh.) abgerundet. Auf der Nordseite des Chores befindet sich ein rechteckig geschlossener spätgotischer Anbau, die heutige Taufkapelle. Zum Chor ist auch sie in einem breiten Rundbogen geöffnet.  

Auf der Südwestseite befindet sich vor dem ehemaligen Haupteingang in Höhe der vierten Arkade (ursprünglich der Abschluss der alten Kirche) das "Paradies". Diese Vorhalle dürfte wohl als Gerichtssaal gedient haben (Clemen, S. 226).

1879 wurde die Kirche restauriert und um ein Joch nach Westen erweitert. Zudem wurde der Turm durch den jetzigen ersetzt. "… bei der Abtragung des ursprünglichen Turmes (fand sich) an der vormaligen Helmstange (Kirchturmspitze, die die Bekrönung, z.B. den Wetterhahn trägt) die Jahreszahl 950 …" (Becker, S. 18). 1983 stellte man die Kirche als erhaltenswertes Denkmal unter Schutz.

Quellen: Becker, Hermann-Josef, Chronik des Dorfes und der Pfarrei Mertloch, Diözese Trier, Saarbrücken 1936 Clemen, Paul (Hg.), Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Düsseldorf 1943
 

Die alte romanische Pfarrkirche St. Gangolf bildet den Mittelpunkt unseres Dorfes. Die unter Denkmalschutz stehende Kirche erscheint beim ersten Blick als eine Einheit. In Wirklichkeit besteht sie aus mehreren nacheinander angefügten Teilen. Unsere Kirche ist eine dreischiffige romanische Anlage, die in den äußeren und den Scheidemauern dem 12. Jahrhundert1 entstammt. Die Kirche trug in der damaligen Zeit eine flache Decke, vermutlich aus Holz, die jedoch sehr wahrscheinlich im 13. Jahrhundert bereits durch ein Kreuzgewölbe ersetzt wurde. Vielleicht wurde zum selben Zeitpunkt das westliche Seitenschiff angebaut. Im 15. Jahrhundert erfolgten spätgotische Umbauten. Vor allem wurde der östliche Chor im Spitzbogenteil neu errichtet. Der Seitenchor ist mit einem sehr schönen und gut erhaltenen Netzgewölbe ausgestattet, dessen Rippen auf Engelskonsolen ruhen, die in Form von Brustbildern dargestellt sind und die Leidenssymbole tragen. Ursprünglich war die Kirche eine Pfeilerbasilika. Die Pfeiler wurden sehr wahrscheinlich im 15. Jahrhundert abgerundet. Schon vor der romanischen Kirche soll es in Mertloch bereits eine Kirche aus dem 9. Jahrhundert gegeben haben. Eine Sage berichtet, dass diese Kirche "Im Kirchenwinkel" (Winkelche) gestanden haben soll. Bei Baumaßnahmen an der heutigen Kirche (eventuell 1879-1880) wurde bei Abtrennung des alten Turmes an der dortigen Helmstange die Jahreszahl 950 entdeckt. Es könnte sich also um die Helmstange der alten Kirche gehandelt haben.
Wird der Kirchenbau auch von anderen romanischen Bauten der Rheinprovinz übertroffen, so stellt die Mertlocher Kirche doch- wenigstens für das Maifeld- das Zeugnis der ältesten romanischen Anlage dar. Leider wurde durch die im Jahre 1879 erfolgte Restauration der Denkmalwert erheblich geschmälert. Bei der Restaurierung wurde das Schiff um zwei Joche verlängert und der Turm ersetzt.

Das Gesamtbilde des Kircheninnern erscheint zu lang und zu niedrig. Lange Zeit stand der Turm etwas abgesetzt von der Kirche und wurde durch die Verlängerung des Kirchenbaus mit dieser verbunden.

 

Die Urkunde, die in den Grundstein des Turmes
eingelegt wurde, fasst folgenden Wortlaut:

Am 22. Mai 1879, am Feste Christ Himmelfahrt unter dem Pontifikat seiner Heiligkeit Papst Leo XXIII und der Regierung seiner Majestät des Königs Wilhelm des 1. von Preußen und Kaiser von Deutschland, als die Diözese Trier ohne Oberhirten und die Pfarrei Mertloch ohne Seelsorger war, wurde im Beisein des Bürgermeisters Leimann aus Polch, der Vertreter der zur Kirchengemeinde angehörigen Zivilgemeinde, der Kirchenratsvorsitzende Jakob Geisen aus Mertloch, des Ortsvorstehers Peter Münch von daselbst, einen der Vertreter der Kirchengemeinde, die feierliche Grundsteinlegung des neu zu erbauenden Turmes der Pfarrkirche Mertloch vollzogen, worüber die Urkunde berichtet.

 

Glocken
1867 befanden sich 4 Glocken im Turm. Gegossen im Jahre 1513, 1577, 1713 und 1757. Eine Glocke aus dem Jahre 1111 wurde damals als beschädigt angegeben und ihr Umguss sollte bevorstehen. Die Glocke aus dem Jahre 1513 ist das Werk des berühmten spätgotischen Gussgießers Peter von Echternach, dessen Glocken sich durch eine hervorragende musikalische Qualität auszeichnen, die allein schon ihre dauerhafte Erhaltung rechtfertigt. (Urteil der Denkmalpflege vom 28. 8.1940).

 

Diese Glocke ist auch als einzige erhalten geblieben. Sie trägt die Inschrift " ozanna heissen ich, in godes ere lyden ich, all bois weder verdriven ich, peter van echternach gaus mich 1513". Die von 1577 nannte den Kirchenpatron: gingelof heisch ich, peter van Trier gaus mich anno dni 1577. Anstelle der früheren Läutewerke kamen 1930 drei neue, doch auch diese (außer ozanna) mussten später Kriegszwecken dienen. Am 25.Mai 1953 (Pfingstmontag) wurden 3 neue Stahlglocken eingeweiht. Durch das Engagement von Dechant Ehses ist es gelungen eine Spendensumme zusammen zu bekommen, die es ermöglichte, dass bei dem Bochumer Verein 3 Stahlglocken bestellt werden konnten.

Es handelte sich um die Glocken ges, as und b. Diese passten sich der noch vorhandenen es Glocke "ozanne" im Klangbild harmonisch an. Die ges-Glocke ist der Mutter Gottes geweiht. Sie trägt die Inschrift "Maria mit dem Kinde lieb, uns allen Deinen Segen gib." Die as-Glocke ist dem hl. Gangolfus geweiht und hat zur Inschrift: "Heiliger Patron Gangolfus schütze den Hirten und die Herde. Bitt für die gefallenen Heldensöhne unseres Volkes". Die b-Glocke ist dem hl. Aloysius geweiht. Sie trägt die Aufschrift: "Heiliger Aloysius, schütz die christliche Jugend"

 
 

Die Kanzel

Die steinerne Kanzel aus Tuff steht auf einem achteckigen Mittelfuß, angelehnt an den östlichen Jochpfeiler. Sie dürfte gleichzeitig mit dem östlichen Seitenchor im 15. Jahrhundert gebaut worden sein. Durch fünf gerippte Ecken ist der der Kirche zugewandte Teil in vier Felder eingeteilt.
 
Im ersten, an der Kommunionbank, befindet sich in erhobener Arbeit das Brustbild Christi auf einer Kanzel stehend. Auf dem dritten Felde ist eine Stola oder ein Spruchband angebracht, worauf bei der Restaurierung der Kirche im Jahr 1937 folgende Worte geschrieben wurden: "Einer ist euer Lehrer- Christus" Matthäus XXII.10.  
 

Die Orgel

Schon 1790 befand sich in der Kirche eine Orgel.
Ein Pater aus Maria Laach, ein Organist,
hat 1792 die Orgel wiederum instand gesetzt.

 
 

Die Altäre

1680 hatte die Kirche fünf Altäre. Jeder einzelne Altar war mit Messen belegt, deren Preise unterschiedlich waren. Später waren es dann noch drei Altäre. Der Hochaltar ist dem Hl. Gangolf , der östliche war ein Holzaltar und dem Hl. Nikolaus und der westliche der Muttergottes geweiht. Heute sehen wir nur noch den stark veränderten Hochaltar mit der Muttergottes (13. Jahrhundert) und den seitlich stehenden Figuren St. Sebastian und St. Gangolf (

 
Beide Figuren von Heinrich Alken, 1786, Kaufpreis 66 Gulden). Sie stehen heute noch auf den Postamenten des alten Hochaltars. Die einzelnen Altäre waren mit Messen belegt, die unterschiedliche Preise hatten. Die bekleidete Marienbüste auf dem Hauptaltar dürfte nach Kunstkennern aus dem 13. Jh. stammen. Dechant Ehses fand die gütige Frau mit dem frohen Antlitz im Geröll auf dem Kirchenspeicher und gab ihr einen ehrenden Platz. Früher stand diese Figur an der Säule gegenüber der Kanzel.  
 

Die Taufkapelle

In der heutigen Taufkapelle (ehemaliges östliches Chor mit Altar St. Nikolaus, Holzaltar) befindet sich das bereits beschriebene Netzgewölbe mit den Engelskonsolen. Der Taufstein ist aus heimischen Basalt rund geformt, ohne Inschriften oder Bildwerk. In der Wand eingelassen befindet sich ein Reliquienschrank. Der Schrank beherbergt Reliquien von Bruder Konrad von Parzham2

 
 

Hl. Grab

Das Grab auf der Epistelseite (östlich) ist aus dem 15. Jahrhundert und das Grab auf der gegenüberliegenden Seite aus dem 18. Jahrhundert.

Die Fenster
In älteren Beschreibungen unserer Pfarrkirche werden die Fenster als sogenannte Fischblasenfester beschrieben. Besonders erwähnt sollte hier das Südfenster in der Taufkapelle werden. Das Fenster wurde von dem Mertlocher Bürger Johann Peter Münch im Jahre 1885 gestiftet und stellt die Kreuzigungsgruppe dar.

 
 

Die Figuren

An den Pfeilern im Hauptschiff der Kirche
befinden sich folgende Heiligenfiguren:

 


  • Hl. Nikolaus von dem Mayener Künstler
    Heinrich Alken aus dem Jahre 1789,
  • Hl. Michael, unbekannt
  • Hl. Jakobus, 18. Jahrhundert
  • Anna Selbtritt, 14. Jahrhundert
  • Hl. Agatha, 1789, Heinrich Alken
  • Pieta, 1787, Heinrich Alken
  • Hl. Martin, Kopie einer Figur aus dem
    14. Jahrhundert oder älter.
    (Original wurde nach dem Weltkrieg entwendet)

Außerdem hatte Heinrich Alken 1789 ein Vesperbild geliefert.
Davon ist aber jede weitere Erkenntnis über den Verbleib verloren.